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Natur und Landschaft
Foto: Arno Paul

Der Peenemünder Haken liegt landschaftlich wunderschön im Nordteil der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern, direkt an der Ostseeküste und im Mündungsbereich des Peenestroms.

Auf der Fläche werden Denkmal- und Naturschutz miteinander vereint – im größten Flächendenkmal Deutschlands.

Aus Sicht des Naturschutzes war die Fläche schon immer ornithologisch bedeutsam. Hier leben u. a. Seeadler, Kormoran, Blässralle, Kiebitz oder Alpenstrandläufer. Daher wurde schon 1925 für das Gebiet „Peenemünder Haken, Struck, Ruden“ eine polizeiliche Naturschutzverordnung ausgewiesen, die konkret auf den Vogelschutz in einer ökologisch wertvollen und sensiblen Boddenlandschaft zielte.

Ab 1936 veränderte das Militär die Peenemünder Landschaft tiefgreifend, indem es in kurzer Zeit einen der größten Rüstungsforschungsbetriebe auf vormodern genutztem Gelände errichtete. Dabei mussten massive bauliche Eingriffe wie das Trockenlegen von Wiesen, massive Aufspülungen von Sand und Kies und der Bau eines Deiches vorgenommen werden, um die abgelegene und schwer bebaubare Gegend industriell nutzbar zu machen.

Da das gesamte Gelände des Peenemünder Hakens militärisch gebraucht wurde, ließ man das Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden 1942 wieder aufheben. Vom offiziellen Naturschutz wurde die Aufhebung von 1942 nach dem Zweiten Weltkrieg entweder vergessen oder nicht zur Kenntnis genommen. Er ging weiterhin davon aus, dass das Gebiet unter Schutz stehe. Eine rechtskräftige Neuausweisung nach dem Zweiten Weltkrieg geschah erst wieder 2008.

1943 und 1944 gab es vier westalliierte Luftangriffe auf Peenemünde, deren Auswirkungen bis heute feststellbar sind. Alle 1945 noch vorhandenen Anlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg fast völlig gesprengt, so dass Trümmerberge, Spreng- und Bombentrichter, Reste von Anlagen und hier erprobter Waffen sowie Brandflächen das Bild des Peenemünder Hakens beherrschten. Phosphorreste im Boden als Folge der Bombardierungen führten bis in die 1960er Jahre immer wieder zu Waldbränden. Ans Ostseeufer gespülte Phosphorreste von Brandbomben bergen nach wie vor die Gefahr, mit Bernsteinen verwechselt zu werden.

Durch die Anwesenheit der NVA in Peenemünde blieb das Areal auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende 1989 für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Der Sperrgebietscharakter und der damit verbundene Ausschluss der Öffentlichkeit ließ im Verlauf der 60 Jahre ununterbrochener militärischer Nutzung einen einmaligen Lebensraum wachsen.

Trotz der Eingriffe in die Natur durch die militärische Nutzung blieb ein großer Teil der wertvollen, auf alten Strandwällen und Dünentälern stockenden Wälder erhalten: alte Eichen- und Buchenwälder, Kieferwälder auf Dünen, nasse Erlen- und Moorbirkenbrüche. In Bombenkratern und Geländesenken sind Kleingewässer und Moorgewässer entstanden. Brackwasser-Röhrichte, kleine Sandinseln, See- und Salzgraswiesen dienen vielen Wasservögeln als wichtiger Rast-, Mauser- und Nahrungsplatz.

Seit 2010 ist die DBU Naturerbe GmbH größter Grundeigentümer in dem Landstrich zwischen Karlshagen und Peenemünde. Die gesamte DBU-Naturerbefläche Peenemünde ist heute rund 2.100 Hektar groß und in drei Teilflächen unterteilt: Peenemünder Haken in der Nordwestspitze von Usedom, Halbinsel Struck und die Insel Ruden.

Folgenden Arten bietet heute die Peenemünder Naturerbefläche einen Lebensraum:

Pflanzen:

Ruthes Knabenkraut, Kartäuser-Nelke, Strand-Tausendgüldenkraut, Färber-Scharte, Schmalblatt-Hornklee, Strand-Dreizack, Bodden-Binse, Teufelsabbiß, Europäischer Meersenf und Strand-Wegerich

Tiere:

Fischotter, Marderhund, Wasserfledermaus, Breitflügelfledermaus, Abendsegler, Seeadler, Kranich, Kormoran, Blässralle, Mittelsäger, Gänsesäger, Höckerschwan, Eisente, Bergente, Pfeifente, Brandente, Kiebitz, Alpenstrandläufer, Rotschenkel, Heidelerche, Zaun- und Waldeidechse, Kreuzotter, Blindschleiche, Kreuzkröte, Moorfrosch, Hering, Flunder, Hornhecht, Aal, Hecht, Zander und Großer Feuerfalter

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