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Ein kurzer Einblick in die Ortsgeschichte von Peenemünde

Peenemünde hat eine lange und bewegte Geschichte, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Erstmals urkundlich wurde die Ortschaft aber erst im Jahr 1282 in einem Dokument des pommerschen Herzogs Bogislav IV. erwähnt, in der er der Stadt Wolgast das lübische (lübeckische) Stadtrecht nach Greifswalder Brauch verlieh. Gleichzeitig schenkte er ihr Wiesen- und Weidegebiet "bis an den Winkel, welcher Peenemünde genannt wird". Auch sollten die Bürger der Stadt Wolgast "alles Recht, welches sie von der Zeit der ersten Stiftung der Stadt ... an dem Hafen Peenemünde gehabt,  zu immerwährenden Zeiten haben"

Im Jahre 1627 erreichte der 30-jährige Krieg Pommern. Die Kaiserlichen Truppen unter Wallenstein zogen im Dezember 1627 auch auf Usedom ein. Wallenstein ließ 1628 bei Peenemünde und an der Westswine Schanzen aufwerfen. Ende Juli 1628 erschien der Dänenkönig Christian IV. mit mit seiner Flotte vor Peenemünde, am 2. August rückten die Dänen ein und übernahmen die Peenemünder Schanze. Im Frühjahr 1629 setzten sich die Kampfhandlungen zwischen den kaiserlichen und dänischen Truppen fort. Als die Wallensteinischen Truppen die Peenemünder Schanze wieder besetzten, wurde diese weiter ausgebaut. Am 26. Juni 1630 landete der schwedische König Gustav II. Adolf mit seiner Streitmacht in Peenemünde. Nach zwei Tagen war die Landung seiner Truppen mit 13.600 Mann vollständig abgeschlossen. 

Im Dezember 1637 bemächtigten sich die Kaiserlichen Truppen des Wolgaster Schlosses und bald darauf der Peenemünder Schanze. 1638 griffen die Schweden wiederum an und binnen kurzer Zeit war ganz Pommern wieder in schwedischer Hand. 

Im Jahr 1693 erfolgte eine Vermessung durch die Schweden, bei der 33 Familien genannt wurden, darunter neun Bauern und zehn Kossäthen. Nach dem Nordischen Krieg wurde Peenemünde im Jahr 1721 preußisch. Bis ins späte 18. Jahrhundert gehörte das Dorf, das 1858 bereits 549 Einwohner zählte, zur schwedisch-pommerschen Stadt Wolgast. 1779 wurde das Kämmereidorf Peenemünde offiziell eingegliedert.

Der Peenemünder Haken um 1755 - Nachbearbeitetet Ausschnitt aus: General Plan von der Insel Üsedom und Wollin, 1755 (Staatsbibliothek zu Berlin, Kart. N 9010)

Im Jahr 1858 wurde die Peenmünder Kapelle erbaut. Ein bedeutendes archäologisches Ereignis war 1905 die Entdeckung des Peenemünder Goldschatzes. Insgesamt wurden acht Goldarmringe aus der Wikingerzeit geborgen.

 

Per Polizeiverordnung wurde 1925 das Naturschutzgebiet „Peenemünder Haken, Struck und Ruden“ eingerichtet, um die einzigartige Natur der Region zu schützen.

 

Im Jahr 1930 wurde anlässlich des 300. Jahrestag der Landung von Gustav II. Adolf im Dorf Peenemünde ein Gedenkstein mit der Inschrift "Verzage nicht, Du Häuflein klein" errichtet.

In den 1930er Jahren wurden die Weichen für die militärische Nutzung gestellt:

1935 wurde in Kummersdorf beschlossen, eine gemeinsame Versuchsstelle der Luftwaffe und des Heeres an der Ostsee zu errichten. 1936 begannen die Bauarbeiten für die "Versuchsstelle a.U." (auf Usedom), und das Gelände wurde vom Heer gekauft, während die früheren Einwohner in der Folgezeit ausgesiedelt wurden. April 1938 erfolgte die organisatorische Trennung der Versuchsstellen in die „Heeresversuchsstelle Peenemünde“ (HVP) und die „Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West“.

Vier Jahre später, am 3. Oktober 1942, gelang in der HVP der erste erfolgreiche Flug einer Rakete vom Typ Aggregat 4 und durchstieß die Grenze zum Weltall. Dieser Meilenstein gilt als Geburtsstunde der Weltraumfahrt und markierte den Beginn einer neuen Waffentechnologie.

FE859 L31-23 Siedlung Peenemünde - Strandkolonie

Im Sommer 1943 erreichte der Mitarbeiterstand mit über 12.000 seinen Höhepunkt. Am 18. August 1943 wurde Peenemünde durch einen britischen Bombenangriff schwer getroffen, bei denen über 700 Menschen ihr Leben verloren. Nach der Bombardierung Peenemündes im August 1943 schrumpfte das Personal, weil immer mehr Aufgaben ausgelagert wurden. Außerhalb des bis hinter Zempin reichenden Sperrkreises entstanden zahlreiche Peenemünde zugeordnete Außenstellen auf der Insel Usedom und dem Festland. Die Forschung an den hier entwickelten und erprobten Waffensystemen ging jedoch weiter, bis zur Evakuierung der Versuchsstellen im Frühjahr 1945.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa besetzte die Rote Armee am 4. Mai 1945 das Peenemünder Betriebsgelände kampflos, was den Beginn einer umfangreichen Demontage der Anlagen einläutete. In den Jahren 1947 und 1948 wurden die verbliebenen Anlagen gesprengt, während der Flugplatz für sowjetische Marineflieger wiederhergestellt wurde.

Ab 1951 wurde der Haupthafen von Peenemünde zur Basis der Seepolizei der DDR. Fünf Jahre später, entstand die Flottenbasis Ost der Seestreitkräfte der DDR. Seitdem wurde Peenemünde wieder zu einem militärischen Sperrgebiet, das hinter Karlshagen begann - es sollte von 1956 bis 1990 bestehen.

1958 übernahmen die Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) die Nutzung des Flugplatzes Peenemünde. Im Jahr 1960 wurde in Peenemünde den Seestreitkräfte der DDR der Ehrentitel "Volksmarine" und der Hafen wurde zur Hauptbasis für die 1. Flottille der Volksmarine der DDR.

Im Mai 1961 verlegte das Jagdfliegergeschwader 9 der Luftstreitkräfte der DDR von Drewitz nach Peenemünde. Zum 10. Jahrestag der NVA  erhielt das Geschwader 1966 den Ehrentitel "Heinrich Rau". Der letzte Flugdienst des Geschwaders in Peenemünde fand Ende September 1990 statt, gleichzeitig war das Sperrgebiet in den Vormonaten schrittweise geöffnet worden.

Nach der "Wiedervereinigung" Deutschlands wurde der Truppenstandort schrittweise durch die Bundeswehr aufgelöst, auch das Kraftwerk stellte im April 1990 seinen Betrieb ein. Ohne weitere berufliche Perspektive verließen viele Menschen den Ort und die Einwohnerzahl sank auf etwa 820.

Im Mai 1991 wurde schließlich eine erste Ausstellung zur Geschichte Peenemündes in der Schaltwarte des Kraftwerks eröffnet, als "Historisch-Technisches Informationszentrum Peenemünde" (HTI), der Vorgängereinrichtung des heutigen "Historisch-Technischen Museums Peenemünde" (HTM).

Einen guten Überblick finden Sie auch in folgendem Büchlein, das im HTM Peenemünde für 7,00 Euro erhältlich ist:

„Der Winkel welcher Peenemünde genannt“
Peenemünder Hefte 2 – Schriftenreihe des Historisch-Technischen Museums Peenemünde

(2007, 58 Seiten)
 

Das Peenemünder Heft Nr. 2 erschien anlässlich des 725. Jahrestages der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Peenemünde im Jahre 1282. Es wird ein breites Spektrum des Ortes im Verlaufe seiner wechselvollen Geschichte geboten. Die Darstellung schließt die Errichtung der militärischen Anlagen von Heeresversuchsanstalt und Erprobungsstelle der Luftwaffe ein und endet im Jahre 1945.

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